Eine offene Hand…

Dein Wöchentlicher Brief von Veit Lindau

Weil dein Leben kostbar ist.

Was ich aus Corona gelernt habe – über Wissenschaft, Rechthaben und die Kunst, in Beziehung zu bleiben

Dieser Artikel ist für dich, wenn…

  • … Corona in dir oder in deinen Beziehungen noch etwas offen gelassen hat – Verletzung, Enttäuschung, Groll oder einfach das Gefühl, dass etwas nie wirklich zu Ende gesprochen wurde.
  • … besonders auch dann, wenn sich deine Beziehung zu mir persönlich durch meine damalige Haltung oder Kommunikation irritiert oder verletzt hat.
  • … wenn du bereit bist, jenseits von Rechthaben und Lagerdenken noch einmal ehrlich hinzuschauen: auf deinen eigenen Anteil, auf die andere Seite und auf die Frage, wie Versöhnung möglich sein kann, ohne die eigene Wahrheit zu verraten.

Falls du den Artikel lieber offline liest, kannst du ihn hier downloaden.

Warum tue ich mir das an 😉

Vor einigen Wochen war ich in einem größeren Podcast zu Gast. Es ging um viele Themen rund um meine Arbeit, Spiritualität und Schattenarbeit. Das Gespräch wurde auf YouTube rege kommentiert. Erstaunlicherweise bezogen sich jedoch über ein Drittel der Kommentare gar nicht auf das Gespräch, sondern auf Corona.

„Seit Corona ist er bei mir unten durch.“ „Er war blind und ist es immer noch.“ …

Andere äußerten sich härter. Sie nannten mich Verräter, Impf-Guru, unterstellten mir, ich hätte das „Kesseltreiben gegen Ungeimpfte“ unterstützt, Blut an den Händen oder sei damals sogar von der Regierung bezahlt worden.

Ich kenne solche Reaktionen. Seit Corona begleiten sie mit erstaunlicher Hartnäckigkeit viele meiner öffentlichen Videos. Meist ignoriere ich sie. Meine Lebenszeit ist mir zu kostbar, um mich mit Beschimpfungen oder Verschwörungsgerüchten über mich auseinanderzusetzen.

Doch dieses Mal blieb ich an einem Satz hängen:

„Ich habe dir bis heute nicht verziehen.“

Das hat mich nachdenklich gemacht. Warum eigentlich „verziehen“?

Wenn irgendein:e Politiker:in oder Journalist:in vor fünf Jahren eine Meinung vertreten hat, die ich falsch fand, muss ich dieser Person heute nichts verzeihen. Ich kann weiterhin denken, dass sie sich geirrt hat.

Doch das Wort Verzeihen gehört in die Sprachwelt einer Beziehung. Es bedeutet meist: “Du warst mir einmal wichtig. Vielleicht habe ich dir vertraut.
Und dann ist etwas zwischen uns zerbrochen.”

Dieser Gedanke hat mich beschäftigt und etwas in mir geöffnet.

Diese Aufarbeitung besteht aus drei miteinander verbundenen Teilen:

• Persönliches Video – mit dem Schwerpunkt Begegnung und Beziehung.

• Dieser Essay – mein innerer Prozess, meine Verantwortung und meine Gedanken zu Versöhnung.

• Nüchterner Faktencheck – Studien, Zahlen, Gegenbefunde und Quellen: Was sehe ich heute genauso, anders oder differenzierter?

Mir ist diese Differenzierung wichtig. Das Video soll vor allem Begegnung ermöglichen. Dieser Essay handelt vor allem von der menschlichen und psychologischen Ebene. Und der Faktencheck ist der Ort für Studien, Zahlen, Gegenbefunde und Quellen.

Warum ich noch einmal zurückblicke

Und auch wenn mir einige Freund:innen raten: „Tu es nicht. Wecke keine schlafenden Hunde“, möchte ich noch einmal bewusst auf diese Zeit zurückschauen. Nicht, weil ich die nächste Runde einer alten Debatte eröffnen möchte.

Ich möchte für mich rekapitulieren, wo ich heute stehe, was ich gelernt habe und was ich jetzt wirklich hinter mir lassen kann. Ich möchte anschauen, was ich damals gesagt und vertreten habe, was mir heute zugeschrieben wird, wozu ich weiterhin stehe und wo ich aufgrund neuer Erkenntnisse oder meiner eigenen Entwicklung heute anders sprechen würde.

Wie bin ich Menschen begegnet, die anders dachten als ich? Was würde ich heute anders machen? Wie ist es möglich, in Beziehung zu bleiben, auch wenn wir in verschiedenen Meinungslagern denken?

Vier Gründe für diesen Text

Erstens: Ich möchte für mich aufräumen. Nicht als nachträgliche Selbstrechtfertigung, aber genauso wenig als öffentliche Selbstanklage. Ich möchte annehmen, was zu mir gehört, und bei den anderen lassen, was nicht meines ist. Fehler erkennen, ohne mir falsche Schuld aufzubürden. Und Dinge, die ich heute weiterhin für richtig halte, nicht verleugnen, nur weil ich Frieden möchte.

Danach möchte ich einen Strich unter dieses Kapitel ziehen können.
Kein Akt des Vergessens, sondern der Integration.

Zweitens: Ich habe eine Ahnung. Vielleicht täusche ich mich. Doch ich glaube, dass es in allen damaligen Lagern Menschen gibt, die müde sind. Müde vom Rechthaben, von Verbitterung und davon, Menschen, die ihnen einmal nah waren, seit Jahren auf eine geistige Position aus einer extremen Zeit zu reduzieren.

Ich höre und lese aus manchen Kommentaren ehemaliger Weggefährt:innen den Wunsch heraus, trotz Meinungsverschiedenheit wieder einen würdevollen Kontakt finden zu können.

Vielleicht können wir uns noch einmal neu begegnen, ohne dass eine:r von uns dafür die eigene Würde oder die eigenen Überzeugungen abgeben muss.

Es kann sein, dass du mich gar nicht kennst. Doch vielleicht berührt dich dieses Thema, weil Beziehungen in deinem Umfeld durch diese verrückte Zeit erschüttert wurden. Vielleicht klingt beim Lesen auch in dir eine Sehnsucht an, größer zu sein als dein Rechthaben-Wollen und dein Herz für einen Menschen neu zu öffnen.

Drittens: Ich habe eine tiefe Sorge. Ich glaube nicht, dass wir als Gesellschaft Corona wirklich verarbeitet haben. Wir reden vielleicht weniger darüber. Andere Krisen haben unsere Aufmerksamkeit übernommen. Doch ich empfinde dieses Schweigen nicht als aufgearbeiteten Frieden.

Familien sind auseinandergegangen. Freundschaften zerbrochen. Menschen haben sich gegenseitig als Covidioten, „Schwurbler:innen“, Schlafschafe, Faschist:innen oder Systemlinge beschimpft. Wir haben einander nicht nur sachlich widersprochen. Wir haben uns oft die Vernunft, die Moral und manchmal sogar die Menschlichkeit abgesprochen. Das Misstrauen vieler Menschen gegenüber dem Staat, der Wissenschaft und großen Institutionen wurde massiv verstärkt.

Wenn du mich fragst, haben wir diesen globalen Test
unserer Reife und Solidarität nicht gut bestanden.
Ja, wir haben weitergemacht. Irgendwann wurde es leiser.
Doch diese kollektive Wunde ist nicht geheilt.

Mich stimmt das nachdenklich, denn Corona war ganz sicher nicht der letzte große Belastungstest für unsere Gesellschaft. Vielleicht erwartet uns wieder eine Pandemie, ein Krieg, eine schwere ökonomische Krise, eine ökologische Katastrophe oder eine tiefgreifende technologische Erschütterung durch künstliche Intelligenz.

Unter massivem Stress kann unser Denken enger werden. Die Sehnsucht nach Sicherheit wächst, und Komplexität wird schwerer auszuhalten. Wir suchen einfache Antworten, wollen wissen, wer recht hat und wer schuld ist, verbarrikadieren uns in Lagern und projizieren auf den „Feind“.

Gerade in großen Krisen sollten wir jedoch als Menschheit zusammenhalten
und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Wenn wir nicht verstehen, was damals mit uns geschehen ist, werden wir ähnliche Reflexe wiederholen. Was wir aus meiner Sicht brauchen, ist ein öffentlicher, kollektiver Erkenntnis- und Heilungsprozess.

Viertens: Vielleicht hast auch du eine offene Rechnung aus dieser Zeit. Vielleicht sprichst du seitdem nicht mehr richtig mit deinem Bruder. Vielleicht gibt es zwischen dir und einer Freundin einen Waffenstillstand, aber keinen Frieden. Vielleicht bist du damals tief verletzt worden. Vielleicht hast du selbst Dinge gesagt oder getan, die du bereust.

Ich möchte damit nicht sagen, dass wir uns alle versöhnen müssen. Nicht jede Beziehung kann oder sollte wieder aufgenommen werden. Manchmal ist ein klares Nein die reifste und liebevollste Antwort. Doch eine klare, ruhige Grenze ist etwas anderes als ein Groll, der seit Jahren einen Teil unseres Herzens besetzt hält.

Vielleicht kann meine persönliche Aufarbeitung dich inspirieren, deine eigene Geschichte und deinen Anteil daran noch einmal neugieriger, selbstverantwortlicher und milder anzuschauen.

Was dieser Text nicht sein wird

Wenn du erwartest, dass ich meine damalige Position vollständig widerrufe und deine Sicht übernehme, wirst du enttäuscht sein. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dass ich mich impfen ließ. Ich habe mich damals klar wissenschaftsorientiert positioniert und bin das auch heute noch. Ich habe Verschwörungserzählungen deutlich widersprochen und tue das auch heute. Ich habe mich positiv über die Impfung geäußert, öffentlich darüber gesprochen und für Menschen, die sich bereits für eine Impfung entschieden hatten, aber noch Angst davor empfanden, sogar eine Meditation aufgenommen.

Das war ich. Dazu stehe ich heute immer noch.

Wenn du von mir einen Kotau vor deiner Position erwartest, wird dich dieser Text nur wütend machen. Dann ist er vermutlich nicht für dich.

Wenn du auf der anderen Seite überzeugt bist, dass auf Seiten der Impfbefürworter:innen, der Politik, der Institutionen und der Wissenschaftskommunikation praktisch alles richtig gelaufen ist und ausschließlich „die Schwurbler“ das Problem waren, wird dich dieser Text ebenfalls herausfordern.

Wenn du bereits vor der Lektüre weißt, dass du zu hundert Prozent recht hattest, spielt es vermutlich keine Rolle, welchem damaligen Lager du angehörst. Du wirst hier wenig finden.

Mich interessieren andere Fragen:

Kann ich noch einmal nüchtern prüfen, ohne vorher zu bestimmen, welches Urteil herauskommen muss?

Kann ich einen berechtigten Punkt der anderen Seite anerkennen, ohne deshalb deren gesamte Weltsicht zu übernehmen?

Kann ich mich korrigieren, ohne meine Würde zu verlieren?

Kann ich Ambiguität aushalten, ohne in Zynismus oder Lagerbildung zu fallen?

Und kann ich einem anderen Menschen sachlich widersprechen, ohne ihn herabzusetzen und innerlich die Beziehung zu ihm abzubrechen?

Was ich heute anders sehe … und was nicht

Zur Vorbereitung dieses Textes habe ich mich noch einmal intensiv mit meinen damaligen Aussagen, dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand und der inzwischen umfangreicheren politischen Aufarbeitung beschäftigt.

Meine Entscheidung, mich 2021 impfen zu lassen, halte ich weiterhin für wissenschaftlich gut begründbar. Ebenso halte ich den Schutz vor schweren Verläufen, insbesondere bei älteren und gesundheitlich gefährdeten Menschen, für sehr gut belegt.

Was ich heute deutlicher sehe, ist, wie unterschiedlich das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis je nach Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen, bereits vorhandener Immunität, Impfstoff und Dosis sein konnte.

Den Fremdschutz und besonders die daraus entstandene moralische Aufladung des Impfstatus würde ich heute wesentlich vorsichtiger behandeln. Seltene, teilweise schwere und in einzelnen Fällen länger anhaltende Impfkomplikationen würde ich offensiver benennen. Auch Menschen mit lang anhaltenden Beschwerden nach einer Impfung verdienen ernsthafte medizinische Aufmerksamkeit und Forschung, selbst wenn Häufigkeit und kausale Mechanismen eines einheitlichen Post-Vac-Syndroms bislang nicht ausreichend geklärt sind.

Gleichzeitig finde ich nach meiner inzwischen sehr gründlichen Prüfung keine belastbare Evidenz für die Behauptung einer massenhaften chronischen Schädigung durch jahrelang aktive Impf-mRNA.

Auch meinen damaligen Blick auf Institutionen habe ich korrigiert. Die veröffentlichten RKI-Protokolle und begleitenden Dokumente zeigen reale Probleme und zumindest einen klar dokumentierten Fall politischer Einflussnahme auf die Veröffentlichung einer Risikobewertung. Manche dieser institutionellen Vorgänge sehe ich heute deutlich kritischer als damals.

Sie beweisen für mich jedoch keine umfassende Verschwörung.

Einige damalige Kritiker:innen hatten mit Fragen nach Transparenz, Verhältnismäßigkeit, Fremdschutz und politischer Einflussnahme berechtigte Punkte. Das möchte ich heute klarer anerkennen. Ich bedaure sehr, dass es bis heute keinen ausreichend sichtbaren, konstruktiven gesellschaftlichen Aufklärungs- und Korrekturprozess gegeben hat.

Ich würde heute außerdem nicht mehr sagen: „Ich stehe auf der Seite der Wissenschaft.“ Denn so ein Satz erzeugt schnell ein Lager: Hier stehen wir Vernünftigen, die alles gecheckt haben, und dort die anderen.

Ich vertraue dem wissenschaftlichen Prozess.

Dieser Prozess beinhaltet ausdrücklich Nichtwissen, Streit, Fehler, neue Daten und Korrektur. Dass Wissenschaft ihre Aussagen verändert, wenn neue belastbare Informationen hinzukommen, ist kein Beweis ihres Versagens, sondern eine ihrer großen Stärken.

Und natürlich kann auch meine heutige Einschätzung unvollständig und später sogar überholt sein. Wenn neue belastbare Erkenntnisse hinzukommen, möchte ich bereit sein, meine Sicht erneut zu korrigieren.

Meine ausführliche wissenschaftliche und politische Prüfung mit Quellen veröffentliche ich in einem separaten Artikel (Link siehe am Ende). Genau dorthin gehören Impfwirksamkeit, Nebenwirkungen, mRNA, Rest-DNA, RKI-Protokolle und andere Sachfragen.

Dieser Text verfolgt ausdrücklich ein anderes Anliegen.

Mich interessiert hier weniger die nächste Debatte darüber, wer bei Corona sachlich recht hatte, sondern die menschliche und psychologische Ebene:

Was ist damals zwischen uns geschehen?
Und was können wir daraus über Beziehung, Angst, Macht, Kommunikation und Versöhnung lernen?

Was ich damals nicht verstanden habe

Ich arbeite seit mehr als dreißig Jahren öffentlich mit Menschen. Ich schreibe Bücher, halte Seminare und spreche in Podcasts über sehr persönliche und existenzielle Fragen.

Trotzdem habe ich, glaube ich, bis Corona nicht vollständig verstanden, was das auf der Beziehungsebene bedeutet.

Natürlich wusste ich, dass Menschen meine Bücher lesen oder Seminare besuchen. Doch ich habe nicht wirklich begriffen, wie viele von ihnen über viele Jahre eine direkte oder parasoziale Beziehung zu mir aufgebaut hatten.

Ich habe mit meiner Arbeit Hunderttausende Menschen erreicht. Dafür war und bin ich zutiefst dankbar. Einige kannte ich persönlich, viele natürlich nicht.

Was mir nicht ausreichend bewusst war, ist, wie persönlich manche dieser Menschen die innere Verbindung zu mir und zu uns erfahren haben.

Vielleicht hatten sie meine Stimme während einer Scheidung gehört, während eines Burn-outs oder in einer tiefen Lebenskrise. Vielleicht haben sie mithilfe meiner Bücher Entscheidungen getroffen, Visionen verwirklicht, sich neu aufgerichtet.

Wahrscheinlich haben einige mir auf eine Weise Vertrauen geschenkt, deren Gewicht mir nicht bewusst sein konnte.

Ich verstehe das heute besser. Diese Beziehungen waren asymmetrisch. Ich konnte oft nicht wissen, wer sie waren. Sie kannten mich dennoch gut. Zumindest die Version von mir in ihrem Kopf und Herzen.

Heute verstehe ich deshalb besser, warum manche Reaktionen so emotional waren und zum Teil immer noch sind. Wenn irgendein:e fremde:r Journalist:in oder Politiker:in etwas sagt, das du für falsch hältst, ärgerst du dich vielleicht. Wenn ein Mensch, dem du über Jahre vertraut hast und den du mit bestimmten Werten verbindest, plötzlich in einer existenziellen Frage auf einer Seite steht, die du als Bedrohung erlebst, kann daraus ein real erfahrener Beziehungsbruch entstehen.

Verbunden mit dem Gefühl von Verrat.

Ich sage damit nicht, dass ich die Interpretation dieser Menschen teile oder jede Reaktion gutheiße. Eine Enttäuschung gibt niemandem das Recht, mir Dinge anzudichten, mich zu beleidigen oder mir und meinen Liebsten zu drohen.

Aber ich erahne heute Herkunft und Tiefe dieser Wunde besser.

Beziehung vor Erklärung

Corona war für viele von uns keine interessante intellektuelle Diskussion. Bei sehr vielen Menschen war das Nervensystem existenziell alarmiert.

Die einen hatten Angst, selbst zu sterben oder ihre Eltern zu verlieren. Andere hatten Angst vor der Impfung. Manche fürchteten um ihre körperliche Selbstbestimmung. Andere verloren berufliche Sicherheit oder soziale Zugehörigkeit. Manche sahen staatliche Macht in einer Form in ihr Leben eingreifen, die sie zutiefst erschreckte. Wieder andere sahen in ungeimpften Menschen eine konkrete Bedrohung ihrer Gesundheit oder der Gesundheit ihrer Familie.

Und genau hier sehe ich rückblickend einen wichtigen Blindspot in meiner damaligen Herangehensweise.

Seit Jahrzehnten arbeite ich mit psychologischen, spirituellen und integralen Landkarten. Ich finde diese Modelle bis heute extrem wertvoll. Sie können helfen zu verstehen, wie Menschen unter Stress reagieren, wie Angst unser Denken verengt, wie Regression funktioniert oder warum verschiedene Bewusstseinsstrukturen dieselbe Realität unterschiedlich interpretieren.

Eine Erklärung kann intellektuell richtig und trotzdem im falschen Moment die falsche Antwort sein.

Wenn vor mir ein Mensch sitzt, der sich existenziell bedroht fühlt, braucht er nicht als Erstes eine Analyse seiner Bewusstseinsstufe oder eine Deutung seines Denkens. Er braucht vielleicht erst einmal einen Menschen.

Jemanden, der hinschaut, nicht sofort erklärt, sondern zunächst mitfühlt, zuhört und Fragen stellt:

Was ist für dich gerade so bedrohlich?

Was hast du erlebt?

Was steht für dich auf dem Spiel?

Wenn ein Mensch im Alarmzustand ist und ich ihm erkläre, aus welcher Angst, welchem Schatten oder welcher Entwicklungsstufe heraus er denkt, kann das theoretisch richtig sein und dennoch relational wie eine Ohrfeige wirken.

Ein Modell oder ein Fakt, der mir hilft, dich, uns, das Geschehen kognitiv zu verstehen, kann in dem Moment, in dem ich ihn dir überstülpe, verhindern, dass ich dir wirklich begegne.

Das berührt mich. Das nagt. Denn gerade weil ich über solche Modelle verfüge und Menschen mir auf diesem Gebiet Kompetenz zuschreiben, haben meine Worte mehr Gewicht.

Eine horizontale Meinungsverschiedenheit kann dadurch unbemerkt vertikal werden. Aus „Ich halte deine Einschätzung für falsch“ wird unterschwellig: „Du denkst so, weil du noch nicht weit genug bist.“

Und plötzlich sitzen wir nicht mehr als zwei Menschen auf Augenhöhe an einem Tisch.

Hier möchte ich klar Verantwortung übernehmen. Aus meiner eigenen Überforderung bin ich teilweise in einen meiner typischen Schutzmechanismen gerutscht: ein intellektuelles, mir und dir alles erklärendes Schutzschild, um selbst nicht alles fühlen zu müssen.

Vielleicht war das für einige von euch die eigentliche Irritation.

Stell dir vor, du hast jahrelang bei mir in Seminaren und Ausbildungen gelernt, selbst zu denken, Autoritäten infrage zu stellen und deiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Dann kommt Corona. Du prüfst, hörst auf deine Wahrnehmung und kommst zu einer völlig anderen Schlussfolgerung als ich.

Und nun erlebst du, wie ausgerechnet der Mensch, der dich zum eigenständigen Denken aufgefordert hat, deine andere Position möglicherweise als Ausdruck von Angst, Regression oder mangelnder Bewusstseinsreife benannt.

Ich kann heute nachvollziehen, dass das verletzen konnte.
Und das tut mir aufrichtig leid.

Doch um ehrlich und integer zu bleiben: Ich sage damit nicht, dass jede damalige Position gleich vernünftig gewesen sei. Das glaube ich nicht. Manche Menschen haben sich damals in offensichtlich absurden Behauptungen und geschlossenen Verschwörungssystemen verirrt. Auch heute würde ich dem deutlich widersprechen.

Mir geht es nicht um Friede-Freude-Eierkuchen.
Widersprechen ist okay.
Es geht darum, wie ich widerspreche.

Empathische Beziehung vor schlauer Erklärung. Regulation unserer Nervensysteme vor Diskussion. Mehr zuhören. Mehr fühlen. Mehr sichere Räume gestalten.

Ich sage nicht, dass ich heute alles verstanden und für jede Situation eine praktikable Lösung habe. So eine Megakrise ist so f*cking komplex. Manchmal muss man klar und schnell widersprechen. Manchmal ist es wichtig, eine falsche Behauptung sofort beim Namen zu nennen.

Aber eine meiner privaten und beruflichen Lernaufgaben seitdem lautet: Gerade wenn ein Mensch tief aktiviert ist und mir vertraut, will ich sehr genau prüfen, ob meine schlaue Erklärung gerade tatsächlich ihm dient. Oder meinem Bedürfnis, die Situation zu verstehen und zu ordnen.

Verstehst du, was ich meine?

Mein Glashaus

Ich habe bereits vor einigen Jahren öffentlich bekannt, dass ich mich während Corona teilweise zu Zynismus und Sarkasmus verleiten ließ.

Manche Entwicklungen in der psychospirituellen Szene haben mich damals wirklich erschreckt, wütend und hilflos gemacht. Ich konnte nicht fassen, wie schnell Menschen, die gerade noch ihr Herzchakra in Seminaren geöffnet hatten, übereinander herfielen. Ich war und bin enttäuscht, dass manche öffentlichen Personen mit großer Reichweite obskure Behauptungen verbreiteten, für die es keine belastbaren Belege gab. Bestimmte geistige und politische Radikalisierungen in diesem Milieu finde ich bis heute höchst problematisch.

Wenn viele Menschen, für die ich gearbeitet habe, von mir enttäuscht waren, darf ich auch sagen: Ich war zum Teil tief ernüchtert über das Verhalten mancher Menschen, die ich unterrichtet hatte oder mit denen ich gearbeitet hatte.

Mein Sarkasmus hat mich vermutlich auch davor geschützt, diese Erschütterung und meinen Schmerz voll zu erfahren. Doch er war nicht förderlich. Sarkasmus verprellt Menschen und lädt definitiv nicht zu gemeinsamen Lernprozessen ein.

Ich sehe rückblickend noch eine subtilere Form der Überheblichkeit bei mir. In meinem Versuch, nicht in Verachtung zu kippen, sagte ich manchmal sinngemäß:

„Diese Menschen sind nicht dumm, sie haben einfach Angst.“

Doch auch gut gemeintes Mitgefühl kann von oben herabkommen. Vielleicht hatte der Mensch Angst. Vielleicht hatte er einen berechtigten politischen oder ethischen Einwand. Vielleicht hatte er Erfahrungen mit Institutionen gemacht, die sein Misstrauen verständlich machten. Vielleicht war er wütend. Vielleicht war er tatsächlich irrational. Vielleicht alles zusammen.

Ich wusste es nicht. Ich konnte es nicht wissen. Aber ich habe oft geurteilt, als wenn ich es wüsste.

Heute interessiert mich stärker deine Antwort auf die Frage als meine Erklärung:

Was hast du erlebt?

Was war für dich damals so bedrohlich?

Und falls wir uns kannten: Was habe ich gesagt oder getan, das für dich den Bruch ausgelöst hat?

Verantwortung für digitale Räume

Ein weiterer Punkt gehört für mich auch zu dieser Selbstprüfung. Wir haben während Corona selbst eine große öffentliche Online-Community geführt. Auch dort standen wir permanent vor einer schwierigen Frage:

Welche Quellen und Behauptungen lassen wir zu und wo ziehen wir eine Grenze?

Wir wollten ausdrücklich keinen Raum schaffen, in dem nach unserer damaligen Einschätzung unbelegte oder falsche medizinische Behauptungen ungeprüft weitergereicht werden. Gleichzeitig wollten wir offen für unterschiedliche Meinungen bleiben.

Unsere Moderationsregeln brachten uns manchmal den Vorwurf der Zensur ein. Ich halte diesen Vorwurf in dieser Pauschalität bis heute für falsch. Eine moderierte Community braucht Regeln, und Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass jeder private oder organisierte Raum jede Behauptung ungefiltert verbreiten muss.

Aber auch hier möchte ich heute nicht so tun, als hätten wir alles optimal gelöst. Das war für uns eine gewaltige Herausforderung, und wir haben dabei gelernt.

Mir ist seitdem noch bewusster, wie groß die Verantwortung von Menschen ist, die Online-Communities gestalten. Wer einen digitalen Raum öffnet, gestaltet nicht nur Technik, sondern Kultur.

Welche Sprache wird toleriert?

Wie gehen wir mit strittigen Quellen um?

Was ist legitimer Widerspruch, was persönliche Entwürdigung?

Wann schützen Regeln die Gemeinschaft und wann werden sie zu eng?

In unserer heutigen Community haben wir deshalb wesentlich klarere Kommunikations- und Moderationsregeln entwickelt. Unser Anspruch ist ein echter Safe Space im erwachsenen Sinn: kein konfliktfreier Kuschelraum, sondern ein möglichst sicherer, klar gehaltener Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Meinung sein dürfen, ohne beschämt, entwürdigt oder mit ungeprüften Behauptungen überrollt zu werden.

Auch damit sind wir nicht „fertig“. Wir lernen weiter.

Verantwortung ist nicht Schuld

Mit der Übernahme von Verantwortung will ich allerdings nicht ins andere Extrem laufen und mich oder meine Wahrheit verleugnen. Ich werde auch weiterhin keine Lügen über mich akzeptieren.

Nein, ich habe das „Kesseltreiben gegen Ungeimpfte“ nicht voll unterstützt. Ich habe mich damals gegen eine allgemeine Impfpflicht und gegen die Ausgrenzung von Menschen positioniert.

Für die heute manchmal mit mir verbundene Formulierung „Impfen ist geil“ habe ich selbst noch einmal recherchiert. Ich habe keine einzige so banalisierende Äußerung gefunden.

Ich habe auch keine geführte Meditation angeleitet, um Menschen zur Impfung zu manipulieren, sondern eine Meditation für diejenigen, die sich klar impfen lassen wollten, aber Angst hatten.

Meine Meditationen sind mir heilig. Ich habe mittlerweile etwa 400 eingesprochen. Keine einzige von ihnen überredet Menschen dazu, etwas zu tun, was sie nicht wollen. Sie sollen Menschen dabei unterstützen herauszufinden, was ihnen ihre innere Stimme sagt, und dieser mutig zu folgen.

Und nein, ich bin weder der Antichrist noch wurde ich von der Regierung bezahlt. 😉

Wer wählt, Abfälligkeiten und Lügen über andere zu verbreiten, muss damit selbst klarkommen. Doch ich werde niemals Falschbehauptungen über mich akzeptieren oder mich verbiegen, um als reumütiger Sünder wieder aufgenommen zu werden.

Eine offene Hand braucht einen geraden Rücken

Ich glaube, dass zwei reife Menschen unterschiedliche Weltsichten haben
UND sich dennoch respektvoll begegnen können.

Wir wollen alle glücklich sein und wir sitzen alle in einem mittlerweile stark überhitzten und fragilen Boot.

Ich möchte meine eigene Verletzung nicht als Gegenrechnung einsetzen. Doch für ein vollständiges Bild möchte ich einmal klar sagen, dass es auch mir weh tat, wenn Menschen, die mich über Jahre begleitet hatten, plötzlich glaubten, ich sei gekauft, korrupt oder Teil einer dunklen Agenda.

Ich wurde von Menschen, die gerade noch in meinen Seminaren saßen, als Teufel oder Merkels Hure beschimpft. Menschen haben uns beleidigt, Lügen über uns verbreitet und sogar gedroht.

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass diese Wunde vollständig geheilt ist. Ein Teil in mir geht seitdem leider davon aus, dass Menschen in Extremsituationen sehr schnell Werte und Anstand vergessen können.

Ich will damit kein Pingpong aufmachen. Meine Gefühle sind meine Gefühle.

Doch ich möchte daran erinnern, dass hinter jedem Namen, den wir im Netz oder hinterm Rücken in den Dreck ziehen, ein Mensch steht, der genau wie wir Angst, Trauer, Schmerz und Wut kennt.

Und falls du wirklich nach einer echten Verschwörung suchst, forsche nach, womit Facebook & Co ihr Geld verdienen. Ihre Algorithmen leben von unserem Hang zu Empörung und Niedrigkeit.

Wenn wir beim nächsten Mal reifer reagieren wollen, brauchen wir aus meiner Sicht mehr Wissen darüber, wie Stress unsere Wahrnehmung verändert und wie wir uns regulieren können, mehr Fähigkeit, widersprüchliche Wahrheiten und unangenehme Emotionen auszuhalten, mehr ehrliche Schattenarbeit und eine Kultur, in der Vergebung nicht als Schwäche missverstanden wird.

Was Versöhnung für mich bedeutet

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Vergebung. Je älter ich werde, desto weniger halte ich von schnellen, netten Vergebungsritualen.

Gerade bei tiefen Wunden ist Vergebung ein nichtlinearer, herausfordernder Prozess,
der Mut und Demut braucht.

Ich glaube, dass etwas in uns letztlich nach Frieden strebt. Doch auf dem Weg dahin steht oft echte innere Arbeit an.

Vergebung bedeutet nicht, etwas nachträglich gutzuheißen. Sie verpflichtet uns nicht, wieder Nähe herzustellen oder einer Person erneut zu vertrauen. Sie hebt keine gesunden Grenzen auf.

Vergebung beginnt mit dem Fühlen aller Gefühle: dem Schock, dem Schmerz, der Wut, der Trauer. Und sie braucht unser geduldiges, neugieriges Erforschen der Wahrheit.

Was ist wirklich geschehen?

Was habe ich getan?

Was hast du getan?

Was davon kann ich heute anerkennen?

Wo muss ich widersprechen?

Welches Urteil halte ich seit Jahren fest?

Schützt es noch meine Würde oder ist es längst ein Gefängnis aus Groll geworden?

Ich glaube, dass wir nicht wahrhaft vergeben können, bevor das Wesentliche gesehen und anerkannt wurde.

Deshalb will ich mit diesem Artikel nicht einfach sagen: „Hey Leute, Corona ist vorbei, lasst uns alle wieder liebhaben.“ So funktioniert Heilung nicht.

Manchmal müssen wir die Wunde noch einmal öffnen, damit der Eiter abfließen kann.

Für mich hilfreiche Fragen sind:

Was habe ich noch nicht gefühlt?

Was habe ich noch nicht erkannt?

Was habe ich übersehen?

Was muss noch kommuniziert werden?

Du schuldest weder mir noch jemand anderen keine Vergebung

Du schuldest mir auch keine neue Beziehung. Ich schreibe dir nicht vor, an welcher Stelle deines Prozesses du heute stehen solltest. Ich teile dir lediglich mit, wo ich selbst gerade stehe und welche Fragen ich mir stelle.

Irgendwann führt mich mein eigener Prozess trotzdem zu einer weiteren Frage:

Wie lange möchte ich den anderen noch auf meiner inneren Anklagebank sitzen lassen?

Denn mit chronischem Groll vergiften wir vor allem uns selbst.

Vielleicht willst du auch nach diesem Text nicht auf andersdenkende Mitmenschen zugehen. Vielleicht willst du weiterhin an deinem Groll mir gegenüber festhalten. Das ist dein gutes Recht und ich respektiere es.

Doch wenn du schon bis hierher gelesen hast, würde ich gern zwei Fragen in deinem Herzen platzieren:

Tut dir das wirklich gut?

Und was ist dadurch gewonnen?

Versöhnung bedeutet nicht zwangsläufig Wiedervereinigung. Manchmal heißt sie einfach:

«Ich brauche dich nicht mehr als Feindbild.»

Vielleicht kann ich meine Wahrheit behalten, ohne dich darin für immer zu einer kleinen, bösen Karikatur zu machen. Vielleicht kann ich glauben, dass du dich geirrt hast, ohne dich für dumm oder böse zu halten.

Vielleicht können wir uns eines Tages sogar offen in die Augen schauen und sagen:

„Das war eine verdammt harte Zeit. Wir haben beide versucht, damit klarzukommen. Wir haben manches gut gemacht und anderes gründlich verbockt. Und jetzt gehen wir weiter.“

Was ich von dir gern verstehen würde

Dieser Artikel ist als Dialog gedacht. Mich interessiert aufrichtig, was er in dir bewegt.

Was habe ich gesagt oder getan, das für dich den Bruch ausgelöst hat?

Mich interessiert nicht zuerst, was Karl Lauterbach, Angela Merkel, das RKI oder irgendein:e Virolog:in getan hat. Ich möchte wissen, was zwischen dir und mir oder zwischen dir und deinen Mitmenschen geschehen ist.

Wenn du mir darauf unter diesem Artikel antworten möchtest, werde ich versuchen, offen zuzuhören. Wenn du dich auf eine konkrete Aussage von mir beziehst und noch eine Quelle findest, schick sie mir gern.

Ich verspreche dir nicht, dass ich dir zustimmen werde oder jede Kritik für gerechtfertigt halte. Aber ich verspreche mir selbst, nicht sofort zu erklären, warum du falschliegst. 😉

Ich möchte deine Worte wirken lassen.

Falls ich eine Aussage von mir finde, bei der ich heute sagen muss: „Veit, das war arrogant, zynisch, unnötig hart oder schlicht nicht in Übereinstimmung mit deinen eigenen Werten“, dann möchte ich dafür klar Verantwortung übernehmen.

Und genauso konkret werde ich Grenzen setzen, wenn ich beleidigt oder verleumdet werde.

Offenheit braucht auch gesunde Grenzen.

Und du so?

Jetzt ging es genug um mich. Wie sieht es mit dir aus?

Gibt es in deinem Leben einen Menschen, mit dem seit Corona etwas offen ist?

Vielleicht bist du ungeimpft gewesen und deine Schwester wollte dich an Weihnachten nicht sehen. Vielleicht hast du deinen Vater einen Schwurbler genannt. Vielleicht hast du eine Freundin verloren, weil sie sich impfen ließ und du ihr das nie verziehen hast. Vielleicht habt ihr euch gegenseitig verletzt und irgendwann einfach aufgehört, darüber zu sprechen.

Ist es wirklich vorbei? Oder schwärt die Wunde unter der Oberfläche leise vor sich hin?

Vielleicht ist für dich gerade nicht der richtige Zeitpunkt, um eine Hand zu reichen. Vielleicht besteht deine Heilung darin, eine endgültige Grenze zu akzeptieren. Aber vielleicht gibt es auch einen Menschen, dessen Gesicht gerade vor deinem inneren Auge auftaucht und dem du gern wieder tiefer begegnen würdest.

Was würdest du ihm heute sagen, wenn du nicht mehr in allem recht behalten müsstest?

Wofür könntest du Verantwortung übernehmen, ohne dich klein und schuldig zu machen?

Welche Frage hast du dem anderen nie gestellt, weil du viel zu beschäftigt damit warst, dich zu verteidigen?

Vielleicht ist das die wichtigste Frage dieses Essays.
Wer wollen wir beim nächsten Mal sein?

Der nächste Sturm wird kommen. Und wir werden wieder nicht alles wissen. Wir werden Entscheidungen unter hoher Unsicherheit treffen müssen. Politiker:innen werden Fehler machen. Expert:innen werden sich widersprechen. Manche Institutionen werden Vertrauen verdienen und andere verspielen. Menschen werden Angst haben. Und irgendwelche sehr selbstsicheren Typen werden uns erklären, dass ausschließlich sie wissen, was wirklich geschieht.

Vielleicht können wir uns jetzt darauf vorbereiten, sodass wir uns im Ernstfall früher daran erinnern, dass unser Gegenüber mehr ist als seine Meinung.

Vielleicht können wir Wissenschaft ernst nehmen, ohne sie zur Religion zu machen.

Vielleicht können wir unserem aufgewühlten Herzen einen ruhigen Geist an die Seite stellen.

Vielleicht können wir Institutionen kritisch hinterfragen, ohne hinter jedem Fehler eine globale Verschwörung zu vermuten.

Und vielleicht können wir lernen, irrationalen Behauptungen klar zu widersprechen, ohne die Menschen dahinter zu entwürdigen.

Gerade wir in der psychospirituellen Szene sollten demonstrieren können, dass unser Gerede über Bewusstsein, Mitgefühl und Schattenarbeit nicht nur funktioniert, solange alle im Seminarraum derselben Meinung sind.

Ich nehme mich ausdrücklich nicht aus.

Ich glaube weiterhin, dass es damals eine meiner Aufgaben war, klar Position zu beziehen. Doch heute sehe ich ebenso klar:

Es war gleichzeitig meine Pflicht, mein Herz weiter offen zu halten.
Klarheit ohne Liebe wird hart.

Liebe ohne Klarheit wird beliebig.

Die Kunst besteht für mich darin, beides gleichzeitig zu halten.

Dieser Artikel ist Teil meiner persönlichen Vergebungsarbeit. Ich bin damit nicht fertig.

Ich möchte annehmen, was mir gehört. Ich möchte korrigieren, was ich heute anders sehe. Ich möchte mich entschuldigen, wo ich meine eigenen wichtigen Werte verletzt habe. Ich möchte in Ruhe zurückgeben, was nicht zu mir gehört.

Und ich werde weiter aufrecht und sichtbar für meine Wahrheit einstehen.

Ich möchte die wertvollen Lektionen nicht vergessen. Doch ich möchte die Vergangenheit hiermit loslassen.

Wenn du ebenfalls an einem Punkt stehst, an dem du Frieden suchst, ohne deine Wahrheit zu verraten, dann versteh diesen Text als das, was er sein soll:

Eine offene Hand.

Mit herzlichem Gruß, Veit

Zum Video

Zum Faktencheck

Wenn du einen Kommentar hinterlassen möchtest, geht das am besten entweder in unserer Community, dem homodea Tribe oder auf Substack.

Veit Lindau gilt im deutschsprachigen Raum als führender Experte für eine integrale Potenzialentfaltung und erreicht mit seinen wachrüttelnden Vorträgen, Seminaren und Videos ein großes, sehr gemischtes Publikum. Das Credo seiner Arbeit lautet: “Du stirbst. Beginne zu leben.” Mit seinen Büchern, Seminaren und Ausbildungen erreicht er seit mehr als drei Jahrzehnten ein Millionenpublikum. Er ist EASC zertifizierter Lehrtrainer, Lehrcoach und Mastercoach. Für sein Buchwerk wurde er mit dem Coaching Award ausgezeichnet. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er die Plattform für Potenzialentfaltung homodea.com

4 Wege, mehr über die Arbeit von Veit Lindau kennenzulernen

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